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Dinge, die die Arbeit als Trainer erschweren | Und absolute No Go´s – Marcus Mohs

In meiner Tätigkeit als Trainer habe ich bereits mit den verschiedensten Menschen in den verschiedensten Bereichen trainiert. Mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, Hobbysportlern und Leistungssportlern, in kleinen und größeren Kursen, in Fitness-Studios oder Turnhallen, bei den Klienten zu Hause oder im Freien. Hier fallen natürlich im Laufe der Jahre immer wieder die gleichen Dinge auf, welche meine Arbeit als Trainer erschweren und manchmal sehr ermüdend sind. Vor allem im Kursbetrieb, wenn viele verschiedene Menschen zusammenkommen, bemerkt man immer wieder die gleichen störenden Elemente.

Zu spät kommen

Der Klassiker schlechthin. Bereits nach kurzer Zeit habe ich mich bei den Kursen dazu entschieden, die ersten fünf Minuten immer zu warten, da hier teilweise mehr als die Hälte der Teilnehmer noch eintrifft. Fünf Minuten sind auch noch zu verkraften, schließlich kommen einige direkt von der Arbeit und man sieht ihnen an, dass sie sich dolle beeilt haben. Problematisch wird es allerdings dann, wenn bereits 10 oder 20 Minuten vergangen sind. In vielen Fitness-Studios werden Teilnehmer von Kursen ausgeschlossen, wenn sie die Erwärmung verpasst haben. Auch in meinen Kursen kommt dies sehr oft vor und ich muss mir dann noch einmal fix die Zeit nehmen, um eine Extraerwärmung durchzuführen. Haben wir gerade technisch sehr anspruchsvolle Übungen durchgeführt, ist es für mich dann immer schwierig, meine Aufmerksamkeit zu teilen. Schließlich möchte ich keine 0815-Erwärmung durchführen, sondern immer noch eine Zielführende.

Von manchen Sportgeräten sind natürlich nur begrenzte Mengen vorhanden. Vor Beginn einer jeden Runde entscheiden der Kurs und ich zusammen anhand der Anzahl und Leistungsstärke der Teilnehmer, was wir trainieren möchten. Bei fünf Teilnehmern bietet sich ein Langhanteltraining immer super an. Bei fünf Langhanteln ist dann aber auch schnell klar, dass bereits ein Sportler mehr die ganze Runde auf den Kopf stellen könnte. Kommen dann nach zehn Minuten noch drei weitere Sportler, müssen die Hanteln wieder zur Seite gelegt und die Runde neu zusammengestellt werden.

Und unhöflich ist es natürlich auch, wenn man zu spät kommt!

Verletzt zum Training kommen

In jedem Vertrag, ganz gleich ob für einen Verein oder ein Studio, versichern die Teilnehmer immer, gesund und ohne ärztliche Bedenken zum Training zu erscheinen. Natürlich muss man nicht sofort auf Sport verzichten, wenn man verletzt ist. Je nachdem, welche Verletzung vorliegt, kann man sein Training entsprechend anpassen oder abwandeln. Auch in den Kursen, welche ich leite, kommt es immer vor, dass einige Übungen aufgrund von Verletzungen gar nicht oder nur mit Abwandlungen durchgeführt werden können. Solange es den Rahmen nicht sprengt, ist dies auch kein Problem. Wer jedoch zum Hanteltraining mit Schmerzen und Verletzungen in der Schulter, im Rücken und Knie kommt, kann ab einem gewissen Punkt nicht erwarten, dass jeder Trainer darauf Rücksicht nimmt. Manche Übungen und Bewegungsabläufe lassen sich nicht erleichtern oder abwandeln. Dies bringt nicht nur viel Unruhe in die Gruppe, wenn andere Sportler sehen, dass immer wieder die gleichen Verletzten zum Sport kommen und eine Extrawurst benötigen, sondern wird auch für mich als Trainer schwierig, diese Menschen in ihrer Leistung weiterhin zu fördern. Als Trainer ist es zudem nicht meine Aufgabe, Arzt zu spielen und für jedes Problem eine sofortige Lösung bereitzuhalten.

Ständiges dazwischen reden

Auch hier wieder ein absoluter Klassiker. Hin und wieder kommt so viel Unruhe auf, dass ich einfach aufhöre zu reden. Manchmal wird sehr schnell bemerkt, dass um Ruhe gebeten wird, ab und zu muss ich dann aber auch mal etwas lauter werden.

Ich habe mich von Beginn an dagegen entschieden, den Feldwebel zu spielen. Schließlich kommen die Sportler freiwillig zu den Kursen. Da kann man auch erwarten, dass sie den nötigen Respekt von allein mitbringen und ich nicht bei jedem bisschen sofort meine Stimme erheben muss. Dass dann natürlich immer die gleichen Übungen erklärt werden müssen und alles x-Mal angesprochen werden muss, erklärt sich von selbst. In wenigen Fällen habe ich im Anschluss an den Kurs noch einmal persönlich mit einigen Sportlern geredet und sie darum gebeten, die nächsten Male ein wenig mehr Ruhe und Aufmerksamkeit allen anderen entgegen zu bringen. Leider bleiben diese Bitten hin und wieder ohne Wirkung.

Störend ist es auch dann, wenn die Teilnehmer für darauffolgende Kurse bereits in den gleichen Räumlichkeiten warten. Wenn man fünf Minuten vorher vor Ort ist, ist das auch kein Problem. Wer sich allerdings 20 Minuten vorher an die Seite setzt und anfängt, lautstark am Handy zu spielen, sollte auch hier wieder etwas mehr Achtsamkeit walten lassen. Und wenn sich dann noch mit anderen Sportlern in der Runde unterhalten wird, sodass ich immer wieder eingreifen muss, um die Übungen zu erklären, dann kann auch dies sehr ermüdend mit der Zeit werden.

Natürlich sehen sich viele Sportler nur zu den Kursen. Da ist es kein Problem, sich in den Pausen, davor oder danach zu unterhalten. Aber auch viele untereinander befreundete Teilnehmer sind bei den Kursen dabei. Diese haben selbstverständlich die Möglichkeit, sich zu jedem anderen Zeitpunkt der Woche über Neuigkeiten auszutauschen. Wenn es dann allerdings in genau dieser einen Stunde sein muss, in der man zum Sport kommt, dann kann auch dies auf Dauer sehr anstrengend für den Trainer sein.

Übungen ablehnen

Vor allem für Sportanfänger sind im Grunde alle Übungen neu. Hier nehme ich mir immer viel Zeit, um die Übungen genau zu erläutern und zu zeigen. Da ist es dann auch kein Problem, wenn man sich einige dieser Übungen noch nicht zu traut. Etwas anstrengend wird es aber dann, wenn bereits erfahrene Sportler Übungen von Beginn an ablehnen, nur weil sie in deren Augen nicht zielführend sind. Hin und wieder suche ich dann direkt das Gespräch und erläutere genau, warum wir diese Übung eigentlich machen und wie man von ihr profitieren könne. Wenn dann immer noch ein “Nein” kommt und auf eigene Faust irgendeine andere Übung trainiert wird, dann fühle ich mich schon ein wenig veräppelt, schließlich kommen die Leute ja zu mir, damit ich sie anleite und ihnen die passenden Übungen bereit stelle. Ab und an kommt auch etwas Unruhe in die Gruppe, wenn zu sehen ist, dass ein Teilnehmer bei fast der Hälfte der Übungen irgendetwas anderes macht. Da fragt man sich natürlich schnell, ob man selber denn etwas falsch machen würde.

Alles besser wissen

Ganz selten kommt es auch vor, dass so mancher Sportler scheinbar alles besser weiß. Da frage ich mich selbstverständlich, wieso er dann zum Training kommt. Es ist kein Problem, Übungen kritisch zu hinterfragen: Wieso führt man diese aus? Welche Muskulatur wird angesprochen? Wie wirkt sich diese Übung auf die Gesundheit aus? Wenn man dann allerdings mit Argumenten a lá “Auf YouTube habe ich das aber mal anders gesehen.” oder “Ein Kumpel hat mal gesagt, die Übung soll man nicht machen.” immer wieder Übungen ablehnt, dann kann dies auf Dauer schon nerven. Schließlich habe ich mein Wissen nicht von YouTube, Instagram oder der Bild.

Sich keine Mühe geben

Bei meinen Kursen kommen immer wieder die verschiedensten Menschen zusammen. Der Leistungsstand variiert von Anfänger bis sehr fortgeschritten. Damit jeder auf seine Kosten kommt, zeige ich für jede Übung immer mehrere Varianten, damit sich auch jeder in seinem Leistungsstand angesprochen fühlt. Demnach ist es dann schon komisch, wenn nach einer Stunde Training einige kaum noch gehen können und andere sich nochmal unter die Hantelbank legen, um fünf Sätze Bankdrücken zu absolvieren. Und das mit 80% ihres Maximalgewichtes. Doch eben diese Menschen brauchen sich dann nicht wundern, wenn Sportler um sie herum deutlich schneller vorankommen, als sie selbst. Wer im Training nur 50% gibt, kann dann eben auch nur 50% Fortschritt erwarten. So kann es dann passieren, dass der Klimmzug nach einem Jahr immer noch nicht sitzt, während andere schon zwei oder mehr ohne Hilfe schaffen. Und wenn ich als Trainer dafür dann verantwortlich gemacht werde, dann kann das schon ziemlich nerven!

Das mag jetzt vielleicht alles sehr negativ klingen. Aber genau darum geht es ja auch in diesem Artikel. Eben um die Dinge, die ganz schön nerven können. Und in meinen vielen Jahren als Trainer habe ich schon weitaus mehr als das hier Geschriebe erlebt. Da kann es ganz angenehm sein, all diese Punkte mal nieder zu schreiben, um somit einige Sportler etwas mehr zu sensibilisieren. Schließlich ist die Arbeit mit Menschen immer mit sehr viel Emotionen, Achtsamkeit und Empathie verbunden. Wenn der Laptop mal rumzickt und nicht so will wie ich, wird kräftig auf die Tastatuir gehauen und dann geht es auch schon wieder. Mit diesem “Feingefühl” kommt man bei seinen Mitmenschen aber nicht sehr weit! Da ist es um so schöner, wenn alle an einem Strang ziehen und die wenige Zeit, die man sich innerhalb der Woche sieht, harmonisch und mit viel Freude und Spaß verbringen kann.

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