Kategorien
Ernährung

Was ist dran am Vitamin C Hype? – Marcus Mohs

Vitamin C ist nicht nur eines der ältesten Nahrungsergänzungsmittel, sondern wohl auch eines der beliebtesten. Mit diesem Vitamin verbindet man instinktiv viel Gesundheit und ein starkes Immunsystem. Und möge man einigen Studien Glauben schenken, dann kann es sogar bei der Krebstherapie sinnvoll eingesetzt werden. Somit scheint es absolut logisch, dass viel Vitamin C auch viel Gesundheit bedeutet.

Was an dieser Aussage wahr ist, ob es einen Vitamin C Mangel hierzulande überhaupt gibt und ob Vitamin C tatsächlich Heilung bei einer Krebserkrankung verspricht, erfahrt in diesem Artikel.

Wofür braucht der Mensch Vitamin C

Vitamin C, auch L-Ascorbinsäure genannt, ist ein gut wasserlösliches Vitamin mit saurem Geschmack. Im menschlichen Körper übernimmt es zahlreiche Aufgaben und Funktionen:

  • Vitamin C ist ein Antioxidant: das bedeutet, dass es freie Radikale abfangen und unschädlich machen kann. Freie Radikale können im Körper Zell- und Gewebeschäden verursachen
  • Vitamin C verbessert die die Eisenaufnahme im Dünndarm.
  • Vitamin C stärkt das Bindegewebe: es ist maßgeblich an der Synthese des Bindegewebsprotein Kollagen beteiligt.
  • Vitamin C spielt eine wichtige Rolle bei der Synthese von Aminosäuren und Hormonen: beteiligt ist es u.a. bei der Herstellung von L-Tyrosin, Noradrenalin und Cholesterin.


Wo ist es enthalten

Vitamin C kommt natürlicherweise in zahlreichen Obst- und Gemüsesorten vor. Spitzenreiter sind hierbei:

  • Hagebutten (426 mg/100 g)
  • Johannisbeeren (200 mg/100 g)
  • Peperonie (185 mg/100 g)
  • Paprika (183 mg/100 g)
  • grüne Kiwis (92,7 mg/100 g)

Aber auch Gewürze wie Koriander (566 mg/100 g) oder Thymian (160 mg/100 g) trumpfen mit einem hohen Vitamin-C-Gehalt auf. Eine ausführliche Tabelle zu den Vitamin C-Gehalten verschiedenster Lebensmittel findet Ihr hier.

Hierbei ist jedoch zu beachten, dass es sich um Vitamin C-Gehalte im rohen Zustand handelt. Werden diese Lebensmittel verarbeitet, verlieren sie bis zu 50 % ihres Vitamin C-Gehaltes. Die schonenste Verarbeitung ist das Dämpfen (14 % Verlust), beim Kochen gehen bis zu 50 % an Vitamin C verloren.

In der Lebensmittelindustrie wird häufig Vitamin C als Konservierungsmittel zugesetzt. Auf der Zutatenliste wird es als E300 gekennzeichnet.

Wie viel Vitamin C braucht der Mensch?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Menge zwischen 95 – 110 mg.

Bei einer ausgewogenen Ernährung fällt es einem gesunden Erwachsenen nicht schwer, seinen täglichen Vitamin C-Bedarf allein über die Nahrung zu decken. Schwieriger kann es bei Schwangeren und Stillenden, Rauchern und chronisch-krankten Personen sein – hier kann der Vitamin C-Bedarf bei bis zu 150 mg/Tag liegen.

Kann Vitamin C Krebs heilen?

In den letzten Jahren wurden viele Studien durchgeführt, inwieweit Vitamin C beim Heilungsprozess von Krankheiten beteiligt ist. Der Wissenschaftler und Nobelpreisträger Linus Carl Pauling ging Mitte der 1960er Jahre soweit, dass hohe Dosen an Vitamin C Krebserkrankungen vorbeugen können. Er selbst begann im Alter von 65 Jahren täglich 18 g Vitamin C zu sich zu nehmen. Bedauerlicherweise starb er, im beachtlichen Alter von 93 Jahren, an Prostatakrebs.

Diese These von Linus Pauling wurde in den vergangenen Jahren in vielen Studien untersucht. Vereinzelte Publikationen beschreiben zwar, dass sich bei in-vitro-Zellkulturen die Anzahl der Krebszellen durch Gabe von Vitamin C etwas vermindert. Bisher gibt es jedoch keine Studien, welche eine Anti-Tumor-Wirkung des Vitamin C im menschlichen Körper bestätigen können.

Vorsicht bei zu viel Vitamin C

Zu hohe Mengen an Vitamin C können dagegen auch kontraproduktiv wirken. Durchfälle und Magen-Darm-Beschwerden können die ersten Anzeichen einer Vitamin C-Überdosierung sein. Vitamin C kann im Körper zu Oxalsäure umgewandelt werden, welches sich in den Nieren in Form von Nierensteinen ablagern kann.

Zusammenfassend kann also gesagt werden: in Deutschland haben wir keinen Vitamin C-Mangel zu befürchten. Auch wenn sich nicht jede Person ausgewogen ernährt, so ist Vitamin C doch in vielen verarbeiteten Lebensmitteln als Konservierungsmittel zugesetzt.

Bei Schwangeren, Stillenden, Rauchern und Chronisch-Kranken kann das Supplementieren sinnvoll sein. Doch wie bei allen Nahrungsergänzungsmitteln gilt auch hier: nicht einfach ohne ärztlicher Aufsicht drauf los supplementieren.

Quellen
/1/ Kaur B, Rowe BH & Stovold (2009): Vitamin C supplementation for astham (Review). In: Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 1.
/2/ Spoelstra-de Man AME, Elbers PWG & Oudemans-Van Straaten HM (2018): Vitamin C: should we supplement? In: Current Opinion Volume 24, Number 4, 248-255.
/3/ Pacier C & Martirosyan DM (2015): Vitamin C: optimal dosages, supplementation and use in disease prevention. In: Functional Foods in Health and Disease 5 (3): 89-107
/4/ Unlu A, Kirca O, Ozdogan M & Nayir E (2015): High-dose vitamin C and cancer. In: Journal of Oncological Science 1: 10-12
/5/ https://www.br.de/wissen/linus-carl-pauling-nobelpreis-nobelpreistraeger-100.html. Aufgerufen am 27.01.2022

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.