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Ein Fazit nach 6 Jahren als Fitness Trainer – Marcus Mohs

Seit 2016 arbeite ich nun als Fitness- und Personal Trainer. Ich habe Kurse gegeben in den Bereichen Calisthenics, Kraft-, Kampf- und Laufsport, Gesundheitsförderung, Firmenfitness, Kettlebell und natürlich funktionales Training. Wir haben sowohl in Studios trainiert, als auch im Freien oder bei Personen aus dem Einzeltraining auch zu Hause im Garten oder den eigenen vier Wänden. Auch Frauen- und Kindergruppen waren dabei. In all der Zeit sind mir immer wieder Dinge aufgefallen, die sich durch alle Gruppen von Sportlern und Sportlerinnen ziehen: Wünsche, Motivation, Umgang mit Verletzungen und Leistungsdruck.

Motivation

Wenn Motivation und Disziplin fehlen, dann ist es fast schon vorprogrammiert, dass die gewünschten Ziele scheitern. Sowohl im Einzel- als auch im Gruppentrainig war die Motivation bei vielen stets vorhanden. Hier gibt es natürlich deutliche Unterschiede zwischen dem Studiotraining, Kursen und Personal Training. In unserem Studio hatten wir nur sehr selten den Fall, dass sich jemand angemeldet hat und dann nach ein oder zwei Einheiten nie mehr kam. Viele Sportler und Sportlerinnen kamen regelmäßig, wenn auch nur einmal in der Woche. Unsere Kurse waren immer gut besucht und auch hier kamen viele mehrfach pro Woche. Im Einzeltraining ist der Anreiz für regelmäßiges Training deutlich größer. Dies liegt natürlich auch an den höheren Preisen. Zusammenfassend kann man aber sagen, dass ein Großteil der Sportler und Sportlerinnen regelmäßig trainiert hat.

Andererseits hat man es hier sehr deutlich gemerkt, wenn jemand eine Ausrede nach der Anderen hatte. Hier blieben natürlich die Erfolge auf der Strecke, die Schuld allerdings lag oftmals dann an anderer Stelle. Doch hier kann man ganz klar sagen: Wer nicht regelmäßig zum Sport kommt, weil das Wetter schlecht ist, man zu müde ist, hungrig war, von der Couch nicht mehr hochkam oder noch einkaufen musste, hat seine Prioritäten eben anders gesetzt. Und wer so unregelmäßig trainiert, braucht sich dann eben nicht wundern, wenn es nicht voran geht. Schuld daran hat dann niemand anderes als man selber!

Wünsche und Ziele

Hier waren mitunter die größten Probleme festzustellen. Erfahrene Sportler hatten stets realistische Ziele und Anliegen. Sie wollten Schritt für Schritt voran gehen und nichts überstürzen. Sportanfänger und -anfängerinnen hatten sehr häufig unrealistische Ziele. In kürzester Zeit sollte sehr viel unter sehr merkwürdigen Umständen erreicht werden. Hier eine Auswahl meiner kuriosesten Anfragen:

  • Gewichtsverlust mit Sport, da man normal weiter essen möchte und an der Ernährung nichts ändern will.
  • Klimmzüge lernen ohne Klimmzüge trainieren zu wollen?!?!
  • Steigerung der Maximalkraft, obwohl man nur im Kraftausdauerberich trainieren möchte
  • Training auf freundschaftlicher Basis, obwohl man sich vorher noch nie gesehen hat (auf freundschaftlicher Basis bedeutete in diesem Fall kostenfrei).
  • Korrektur der Körperhaltung mit einer Trainingseinheit alle zwei Wochen.
  • Mir wurde mehrfach ein Instagram-Profil vorgelegt mit der Bitte, so aussehen zu wollen.
  • sehr häufig: Hohe sportliche Ziele, obwohl die Gesundheit stark angeschlagen war (drum kümmern wollte man sich aber nicht).
  • Ein extrem aufwändiges Onlinetraining im Bereich von ca. 20-30 Stunden + Präsenztraining. Hierfür wurden mir dann 75 € angeboten.

Am häufigsten kam der Wunsch auf, Gewicht durch Sport zu verlieren, ohne die Ernährung dafür ändern zu müssen. Hier kläre ich dann direkt auf, dass dies zwar möglich ist, aber für Sportanfänger kaum umsetzbar. Wer keine Belastung gewohnt ist, kann nicht jeden Tag trainieren, um 1000 Kalorien zusätzlich zu verbrennen. Das würde kein Körper auf Dauer mitmachen. Hier sollten dann die Essgewohnheiten grundlegend geändert werden für einen nachhaltigen Effekt.

Ein anderes großes Problem ist oftmals eine vollkommen unrealistische Vorstellung von körperlichen Prozessen. Wenn mir jemand, der nur ein oder zwei Mal in der Woche zum Sport kommen möchte, erzählt, man wolle aber nicht aussehen wie Arnold Schwarzenegger, frage ich mich oft, wo diese Vorstellung hekommt. Mit ein oder zwei Trainingseinheiten pro Woche wird man nicht einmal nach 20 Jahren aussehen wie Herr Schwarzenegger. Auch Fehlhaltungen, die sich über Jahre hinweg manifestiert haben, können nicht mit 10 Minuten Dehnen pro Woche wieder beseitigt werden. Der menschliche Körper ist langsam. Er benötigt viel Zeit, um mit allen Strukturen, die wir haben zu reagieren. Wer zu schnell zu viel will, riskiert Verletzungen und lange Pausenzeiten. Und wer zu wenig an seinen Zielen arbeitet, wird jahrelang auf der Stelle treten.

Umgang mit Verletzungen

Was im Einzeltraining leicht kompensierbar ist, hat in Kursen immer große Probleme bereitet. Wenn eine Einzelperson mit Schmerzen oder einer Verletzung zum Sport kommt, kann ich direkt darauf eingehen. Wenn in einem Kurs mit 10 Teilnehmern, vier Personen mit Schmerzen oder Verletzungen erscheinen, kann darauf oft nur bedingt Rücksicht genommen werden. Im schlimmsten Fall stört es die gesamte Gruppe.

Ich habe Menschen erlebt, welche seit mehr als 10 Jahren über Schmerzen und Probleme klagen, sich aber weigern, einen Arzt aufzusuchen – Begründung: man habe keine Zeit. Wer also in den letzen zehn Jahren nicht einmal Zeit hatte, sich um seine angeschlagene Gesundheit zu kümmern, hat schlichtweg keine Lust. Schließlich gibt es Urlaub, Feiertage, Überstunden, man kann sich natürlich auch krankschreiben lassen oder bei akuten Problemen in die Notaufnahme gehen. Wenn ich mich an die Kurse zurückerinnere, dann war in ca. 90 % der Kurszeiten mindestens eine Person mit einer Verletzung oder akuten Schmerzen dabei. Teilweise so schlimm, dass ich für sie immer Extraübungen herausgesucht hatte mit der dringlichen Bitte, sich untersuchen zu lassen. Auch heute noch ist dies in meinen Einzeltrainings ein gängiges Thema. Vorallem Hobbysportler suchen so gut wie nie einen Arzt auf oder warten, bis es fast zu spät ist.

Das wohl größte Problem von Beginn an

Was glaubt ihr, ist wohl das größte Problem, welches immer wieder zur Sprache kommt? Motivation, Ziele, Ernährung, Ehrgeiz? Nichts davon. Egal, ob im normalen Studiobetrieb, Kurse, Einzeltrainings oder das simple Anfertigen eines Trainingsplans: Ganz oft scheitert es -natürlich- am Geld. Zum Probetraining mit Markenklamotten, Smartwatch und Markenschuhen kommen ist kein Problem, für das Fitnessstudio dann aber 35 € zu bezahlen ist dann nicht mehr drin. Mindestens 4 von 5 Personen haben immer noch einmal genauer wegen der Beiträge im Studio nachgefragt. Kann man da nicht noch etwas machen, ein bisschen weniger, so oft käme man doch nicht zum Sport und so weiter. Bis heute stören mich diese Gespräche wirklich sehr. Die Preise werden immer transparent und für jeden einsehbar ausgeschrieben. Wenn man nicht bereit ist diese zu zahlen, dann kann man eben nicht trainieren kommen.

In den Einzeltrainings ist dies zum Glück deutlich entspannter. Aber auch hier sind im Laufe der Zeit einige Interessierte nach dem Erstgespräch nicht wiedergekommen, da die Einzeltrainings zu teuer seien. Allerdings hab ich es auch schon oft erlebt, dass man davon ausgeht, ein Einzeltraining kostet 10 € oder 20 € in der Stunde. Wie sich der Preis einer Einzelstunde zusammensetzt, erfahrt ihr hier!

Wenn man gegenüberstellt, wie viel Geld man für ungesunde Dinge ausgibt und sich dann anschaut, wie viel für die Gesundheit investiert wird, klafft hier eine große Lücke. Auch eine häufige Begründung für Einzeltrainings: In einem Studio wird man kaum bis gar nicht beraten. Wie soll dies auch funktionieren, wenn man 20 € oder 25 € im Monat bezahlt? Wo soll da das Geld für Festangestelle herkommen? Häufig arbeiten Minijobber oder Studenten in den Studios. Für Vollzeitpersonal in ausreichender Menge und Qualifikation ist kein Geld da. Bei den niedrigen Beiträgen jedoch verständlich.

Wo geht der Trend hin

Hier ist eindeutig erkennbar, welche Richtung der Sport in den letzten Jahren genommen hat. Social-Media hat einen immer größeren Einfluss. Viele wollen so aussehen wie ihre “Vorbilder” auf Instagram. Ohne jedoch zu wissen, was eben diese Menschen alles unternommen haben, um so auszusehen. Hinzukommt, dass hier oft gelogen, nachbearbeitet und falsche Angaben gemacht werden. Mit der Realität hat dies oftmals nichts mehr zu tun.

Auch Nahrugnsergänzungsmittel werden immer häufiger und früher eingesetzt. Menschen, die gerade einmal in der Woche trainieren gehen, trinken am Tag drei verschiedene Shakes, nehmen Kreatin oder Booster. Studien haben hier längst gezeigt, dass bei bis zu 5 Stunden Sport in der Woche keine zusätzlichen Nahrungsergänzungsmittel notwendig sind. Viel wichtiger ist konsequentes und gut geplantes Training. Wer nicht richtig trainiert, kommt auch nicht schneller voran, wenn jede Menge Shakes getrunken werden. Hier sind Geduld, eine gesunde Ernährung und ein gut strukturierter Trainingsplan der Schlüssel zum Erfolg.

In meinen Einzeltrainings kommen immer mehr Anfragen mit Bezug zur Gesundheit. Viele verfolgen keine ästhetischen Absichten, sondern wollen etwas Gutes für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden tun. Hier ist auch ein großer Unterscheid zwischen Männern und Frauen zu erkennen. Männer sind häufiger von sich und ihrer aktuellen Leistung überzeugt und lassen sich oft nur schwer von gewohnten Mustern abbringen und korrigieren. Frauen hingegen sind neugieriger, fragen öfter nach und lassen sich gern helfen und beraten. Aber auch hier gibt es natürlich Ausnahmen auf beiden Seiten.

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